08.02.2010 19:08 Alter: 29 Tage

Mikrozensus: Deutschland wird vielfältiger

Kategorie: Politik, Soziales

VON: HK

In Deutschland wächst der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Im Jahr 2008 waren es 15,6 Millionen EinwohnerInnen. Das entspricht einem Anteil von 19 Prozent der Gesamtbevölkerung und damit einem Plus von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dies teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) auf Basis von Zahlen aus dem Mikrozensus mit.

Der gestiegene Anteil ist auf zwei Ursachen zurückzuführen: "Gegenüber 2007 ist die Bevölkerung mit Migrationshintergrund durch Zuzug und Geburten um 155 000 angewachsen, gleichzeitig ist die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund um 277 000 auf 66,6 Millionen zurückgegangen", so das Statistische Bundesamt.

Von der Bevölkerung mit Migrationshintergrund waren 2008 etwa 7,3 Millionen Ausländerinnen und Ausländer (8,9% der Bevölkerung), und 8,3 Millionen Deutsche mit Migrationshintergrund (10,1% der Bevölkerung). Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Ausländerinnen und Ausländer um 10 000 zurückgegangen, die der Deutschen mit Migrationshintergrund hat allerdings um 166 000 zugenommen. Dabei führt die Türkei mit gut 2,9 Millionen die Liste der wichtigsten Herkunftsländer an, gefolgt von den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion mit zusammen knapp 2,9 Millionen, Polen mit 1,4 Millionen und den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens mit zusammen 1,3 Millionen. Auf die ehemaligen "Gastarbeiter"-Anwerbeländer ohne Jugoslawien und die Türkei kommen zusammen 1,7 Millionen Personen mit Migrationshintergrund: Darunter sind Italien mit 795 000 und Griechenland mit 391 000 die häufigsten Herkunftsländer. Bei den (Spät-)AussiedlerInnen ist die Russische Föderation (681 000) vor Polen (568 000), Kasachstan (412 000) und Rumänien (210 000) am häufigsten als Herkunftsland genannt.

Für die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, belegen diese Zahlen, dass Deutschland vielfältiger wird. Während die Gesamtbevölkerung in Deutschland abnehme, steige die Zahl der Menschen aus Zuwandererfamilien. Zugleich sei die Gruppe der MigrantInnen auch deutlich jünger als der Schnitt der deutschen Bevölkerung.
Umso wichtiger sei eine engagierte und nachhaltige Integrationspolitik. "Unser Ziel ist die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen in unserem Land. Voraussetzung dafür sind gute deutsche Sprachkenntnisse sowie eine qualifizierte Bildung und Ausbildung. Doch gerade die Bildungssituation der Migranten ist nach wie vor alarmierend", erklärte Böhmer.
Denn laut Statistischem Bundesamt haben 14,2 Prozent aller MigrantInnen keinen Schulabschluss – im Vergleich zu 1,8 Prozent der deutschen Bevölkerung. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Berufsausbildung: 44,3 Prozent der ZuwandeInnen fehlt ein beruflicher Abschluss. Bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund sind es 19,9 Prozent. "Nötig ist eine nationale Kraftanstrengung für eine bessere Bildung von Migranten", betonte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung. "Hier sind vor allem die Länder gefordert. Sie haben im Nationalen Integrationsplan zugesagt, die Leistungen der ausländischen Schüler denen der deutschen bis 2012 anzugleichen sowie die Quote der Schulabbrecher zu halbieren. Davon sind wir noch meilenweit entfernt, wie die aktuellen Zahlen belegen. Deshalb appelliere ich an die Länder, Schlen mit einem hohem Migrantenanteil konsequent stärker zu unterstützen. Die Jugendlichen aus Zuwandererfamilien dürfen unter keinen Umständen die verlorene Generation sein", so Böhmer.