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Untersuchung zu Bürgerschaftlichen Engagement in der türkischen Community
Kategorie: Politik, SozialesVON: JOCHEN KAST
Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat das "Zentrum für Türkeistudien" zu diesem Thema eine Untersuchung in der türkischen Community in Deutschland durchgeführt.
Fast zwei Drittel (64%) der 1.500 befragten türkeistämmigen Migranten beteiligen sich aktiv in Vereinen, Verbänden, Gruppen oder Initiativen. Hochgerechnet bedeutet dies 1,3 Mio. Menschen türkischer Herkunft, die sich aktiv und kooperativ am gesellschaftlichen Leben in Deutschland beteiligen. Auch in der deutschen Bevölkerung waren nach den Ergebnissen des Freiwilligensurveys 1999 zwei Drittel der Befragten auf dieses Weise aktiv. Die wichtigsten Bereiche der Beteiligung von TürkInnen sind Religion, Sport, Freizeit, Kultur und Schule. Mit Ausnahme des religiösen Bereichs, der mit 29% an erster Stelle der Beteiligung der türkeistämmigen Migranten und mit 10% an 6. Stelle der Beteiligung der deutschen Bevölkerung liegt, unterscheiden sich die Aktivitätsfelder von Deutschen und TürkInnen kaum.
Die gravierenden Unterschiede liegen beim Übergang von der Beteiligung zum Engagement:
Insgesamt engagieren sich nur 10% der Befragten über die Beteiligung hinaus. Hochgerechnet ergibt sich damit eine absolute Zahl von rund 200.000 türkeistämmigen Migranten ab 16 Jahre, die freiwillige Aufgaben in Deutschland übernehmen. Der Freiwilligensurvey ermittelte 1999 in der deutschen Bevölkerung einen Anteil freiwillig Engagierter von 34% bzw. sogar 36% im Jahr 2004. Somit liegt die Quantität des Engagements türkeistämmiger Migranten weit unter der der Deutschen, obwohl die Beteiligung an sozialen Aktivitäten nicht wesentlich geringer ist. Zugleich bekunden 50% der türkeistämmiger Migranten Interesse an (weiterem) freiwilligen Engagement. Somit ließe sich die bisher noch geringe Engagementquote steigern, wenn es gelingt, die Interessierten zu motivieren, ihr Interesse auch in die Tat umzusetzen und wenn die notwendigen Rahmenbedingungen und Gelegenheitsstrukturen hierfür geschaffen werden. Deutlich wird auch, dass mit zunehmender Aufenthaltsdauer in Deutschland die Beteiligung tendenziell zunimmt. Befragte, die erst bis zu fünf Jahre in Deutschland leben, sind mit 35% wesentlich seltener aktiv beteiligt als die anderen Gruppen (zwischen 62% und 68%).
(Auszug aus dem Untersuchungsbericht)

