10.07.2008 14:20 Alter: 133 Tage

Deutsche Kulturakademie in Istanbul geplant

Kategorie: Kultur, Politik

Nach dem Vorbild der Villa Massimo in Rom soll in Istanbul ein Ort für deutsche KünstlerInnen, FilmemacherInnen, ArchitektInnen und andere KulturproduzentInnen entstehen, die dort als Stipendiaten ein Jahr verbringen können. Der Startschuss für die Arbeit der Deutschen Auslandsakademie in Istanbul ist für 2010 geplant, dem Jahr, in dem Istanbul eine der Kulturhauptstädte Europas sein wird.

Die Idee für eine solche Einrichtung in der Türkei stellten die Bundestagsabgeordneten Petra Merkel (SPD) und Steffen Kampeter (CDU) in Berlin vor. Die Idee hat inzwischen konkrete Züge angenommen.

Kampeter, haushaltspolitischer Sprecher der CDU/CSU, und Merkel, im Haushaltsausschuss Berichterstatterin für den Etat des Bundeskanzleramts (und den des Staatsministers für Kultur) rechnen bereits im Bundeshaushalt für 2009 mit einer  Anschubfinanzierung für das Projekt in Höhe von  1, 4 Millionen Euro.
Zu einem späteren Zeitpunkt sollen die  Mittel auf 1 bis 1,5 Millionen Euro Betriebsmittel  plus Sponsorengelder im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft aufgestockt werden.

Auch eine Immobilie für das Projekt ist mit der früheren Sommerresidenz des deutschen Botschafters in Istanbul im noblem Außenbezirk Tarabya bereits in Sicht. Dabei handelt es sich um ein herrschaftlich historisches Gebäude in teilweise renovierungsbedürftigen Zustand, das einst ein Geschenk des Sultans ans Deutsche Reich war.

Das Projekt ist auf breite politische Zustimmung gestoßen. Ebenso haben türkische Partner wie Nuri Colakoglu, der wohl einflussreichste Kulturmanager des Landes und Vorsitzende des Komitees „Istanbul 2010“, ihr Interesse bekundet. Istanbul ist 2010 Kulturhauptstadt Europas, zusammen mit Essen und dem Ruhrgebiet. In diesem Zusammenhang sind zahlreiche deutsch- türkische Kooperationen geplant. In diesem Herbst ist die Türkei zudem Gastland auf der Frankfurter Buchmesse. Auch das Auswärtige Amt und Kultursstaatsminister Bernd Neumann haben ihre Zustimmung und die Villa Massimo Rat und Hilfe signalisiert. „Im November muss das Projekt stehen“, sagt Kampeter, denn 2010 sollen die ersten „vier bis fünf“ Stipendiaten nach Istanbul kommen.

Die Vielschichtigkeit und enge Verbundenheit zwischen Deutschland und der Türkei ist inzwischen Standard in politischen Reden. In der Realität des Zusammenlebens und dem Umgang mit dem historischen Erbe der Einwanderung und der aktuellen Einwanderungsgesellschaft lässt vieles  zu wünschen übrig. Gesellschaftliche Partizipation und gleiche Rechte sind für die meisten der drei Millionen in der Bundesrepublik lebenden Bevölkerung mit türkischen Hintergrund nach wie vor keine Selbstverständlichkeit. Übertrieben mutet die Begründung von Petra Merkel an, die auf ihrer Homepage, dem Projekt einer Auslandsakademie in Istanbul, das Potential unterstellt, "das Zusammenleben unter Türken und Deutschen - in Deutschland und in der Welt" - zu verbessern. Eine Kulturakademie nach dem Vorbild der Villa Massimo wird auch immer "elitäre" Züge tragen.