08.07.2008 23:53 Alter: 91 Tage

Türkische Migrantenverbände fordern Doppelpass

Kategorie: Politik, Soziales

VON: MP

In Deutschland geborene Kinder mit einem Elternteil, das mindestens acht Jahre in Deutschland lebt und ein unbefristetes Aufenthaltsrecht hat, erhalten einen deutschen Pass, unabhängig davon, ob sie noch einen zweiten besitzen. Dies wurde mit der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts im Jahr 2000 festgelegt. Spätestens mit 18 aber müssen sie sich für die deutsche oder die türkische Nationalität entscheiden? In diesem Jahr stehen 3.300 türkeistämmige Jugendliche vor dieser Entscheidung.

Aus diesem Anlass haben türkische Verbände die Bundesregierung aufgefordert, die Pflicht für deutschtürkische Jugendliche, sich mit dem 18. Lebensjahr für eine Staatsangehörigkeit entscheiden zu müssen, abzuschaffen. "Wir können diesen Jugendlichen nicht sagen, verzichte auf einen Teil deiner Identität", sagte der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde (TGD), Kenan Kolat.

Als "überholt" bezeichnete Serdar Yazar, der Vorsitzende des Bundesverbands Türkischer Studierendenvereine, diesen "monokulturellen Blick". In einem Einwanderungsland seien bikulturelle Identitäten der Normalfall. "Sich als Deutscher oder Türke zu fühlen ist doch kein Entweder-Oder, beides gehört zu einer Person."

Die TGD sowie der Bundesverband Türkischer Studierendenvereine und die European Assemby of Turkish Academics appellierten an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), eine Initiative zur Aufhebung der sogenannten Optionspflicht zu starten. Merkel könne dadurch "wirklich die Bundeskanzlerin aller Bürgerinnen und Bürger Deutschlands werden". Das Optionsmodell dagegen führe zu vielen bürokratischen und integrationspolitischen Problemen.

Türkische Gemeinde Deutschland:
ABSCHAFFUNG DER OPTIONSPFLICHT

Bundesverband Türkischer Studierendenverbände

Drucksache Deutscher Bundestag vom 08. Mai 2008
Antrag für die Abschaffung der Optionspflicht im Staatsangehörigkeitsgesetz