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Fehldiagnosen bei Migrantinnen und Migranten häufiger als bei Einheimischen
Kategorie: Kultur, Politik, SozialesAuf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN), der vom 21. bis 24. November in Berlin stattfand, war die Rolle kulturspezifischer Aspekte bei der Diagnose psychischer Erkrankungen ein Thema.
Bei Migrantinnen und Migranten mit psychischen Erkrankungen kommt es in Deutschland häufiger zu Fehldiagnosen als bei Einheimischen, wurde auf dem Kongress berichtet. Studien zufolge sind die diagnostische Unsicherheit und die Schizophrenie-Fehldiagnostik-Rate bei türkisch-stämmigen Migrantinnen und Migranten in Deutschland höher als bei Einheimischen. Der Grund: Kulturspezifische Faktoren blieben bei der Diagnostik und Klassifikation psychischer Erkrankungen oft unberücksichtigt. Da die zugrunde liegenden Klassifikationssysteme federführend im Euro-Amerikanischen Kulturkreis entwickelt wurden, besäßen sie auch vorrangig für diesen ihre Gültigkeit.
Werden die gängigen eurozentristischen Klassifikationssysteme auf Migranten angewendet, bestehe die Gefahr, kulturtypische Varianten in der Ausprägung der psychopathologischen Phänomene zu übersehen und Fehlzuordnungen vorzunehmen. Sieht ein Afrikaner z.B. die Geister seiner Ahnen, müsse dies nicht unbedingt auf eine Psychose deuten.
Professor Dr. Wielant Machleidt, Leiter der Abteilung Sozialpsychiatrie und Psychotherapie an der Medizinischen Hochschule Hannover sowie Vorsitzender des Referats „Transkulturelle Psychiatrie“ der DGPPN, schlussfolgerte in seinem Vortrag, dass es bis heute aufgrund der Vielfalt und des Variantenreichtums psychotischer Störungsbilder keine befriedigende wissenschaftliche Klassifikation kulturabhängiger Syndrome gebe.
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde
Referat für Transkulturelle Psychiatrie; Leiter Wielant Machleidt
Referat für Transkulturelle Psychiatrie der DGPPN/Rundbrief 2004

