12.06.2008 19:56 Alter: 160 Tage

Unterbezahlte Integrationslehrer - Arbeit im Auftrag der Bundesregierung

Kategorie: Politik

VON: MP

2005 wurden von der Bundesregierung die so genannten Integrationskurse eingeführt. Ein Apparat aus 12.000 Lehrenden und 1.800 zugelassenen Trägern, die der Kontrolle des neugeschaffenen Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) unterstehen, haben bis Ende 2006 rund 250.000 Menschen durch 16.850 Kurse geleitet. Viele von den Dozent/innen kommen nicht ohne Hartz IV über die Runden.

Migrant/innen sind zum Besuch dieser Kurse gezwungen und müssen, falls sie kein Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe beziehen, einen Eigenbetrag bis zu 630 Euro leisten. Diese Maßnahme wurde aufgrund ihres Zwangscharakters viel kritisiert und auch die Ergebnisse der im Dezember 2006 durchgeführten Evaluation durch das Ramboll Management sind demprimierend. Gerade mal 45 Prozent der zwangsverpflichteten Kursteilnehmer/innen bestanden die Abschlussprüfung zum Sprachzertifikat Deutsch.

Kritik gibt es aber auch auf Seite der Dozierenden. Die Anforderungen, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge an die Lehrenden stellt sind hoch. Nicht nur ein Universitätsabschluss in Germanistik oder Pädagogik, sondern auch mehrere Jahre Unterrichtserfahrung sollen sie vorweisen. Wenn sie nicht "Deutsch als Fremdsprache" studiert haben, was erst seit kurzem möglich ist, dann müssen sie eine Zusatzqualifikation, die 60 bis 140 Stunden umfasst, erwerben.

Viele von ihnen kommen ohne Hartz IV nicht über die Runden. Seit zwei Jahren kämpft  "Aktion Butterbrot", eine von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) initiierte Gruppe, zusammen mit ver.di gegen die katastrophale Einkommenssituation der rund 12.000 Lehrenden. Die Integrations-ExpertInnen gelten als Freiberufler und müssen sich selbst versichern. Bezahlt werden aber nur die tatsächlichen Unterrichtsstunden. Die zeitaufwendige Kurs-Vorbereitung  und Beratungen - nach Unterrichtsschluss wenden sich zahlreiche Teilnehmer/innen mit unterschiedlichsten Problemen an die Unterrichtenden - werden nicht bezahlt.
Ebenfalls nicht bezahlt werden die Informationsveranstaltungen zur Änderung der Integrationsverordnung; sie betreffen die Kurse aber direkt und der Besuch ist daher wichtig.

Seit Juli 2007 ist die Finanzierung durch das BAMF von 2,05 Euro auf 2,35 Euro pro Teilmehmer/in und Unterrichtsstunde aufgestockt werden. Doch bei den Lehrenden ist davon fast nirgendwo etwas angekommen. Als vor zwei Jahren ein Dozent an der Volkshochschule Kölln einen bezahlten Urlaubsanspruch auf gerichtlichen Weg durchsetzte, drohte die VHS den Kolleg/innen, die Honorare abzusenken, sollten sie den gleichen Weg gehen, wird der nordrhein-westfälische verdi-Landesfachbereichsleiter Uwe Meyeringh in einem Artikel in ver.di Publik vom Mai 2008 zitiert. Das BAMF reagiert auf diese Vorwürfe abweisend und verweist auf die Vertragsfreiheit von Lehrkräften und Bildungsträgern.

Aktion Butterbrot - Interessenvertretung der Honorardozent/innen Deutsch als Fremdsprache

"Integration kann nicht verordnet werden. Ohne gleiche Rechte und Selbstbestimmung keine Integration" von Kien Nghi Ha

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

ver.di