09.03.2007 12:18 Alter: 2 Jahre

Ganz nah, ganz fremd? - Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing

Kategorie: Kultur, Politik, Veranstaltungen

Für die 7,5 Millionen in Deutschland lebenden Ausländer und Deutschen mit Migrationshintergrund gibt es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bislang ein eher bescheidenes, zielgruppenorientiertes Angebot. Nun haben ARD und ZDF im letzten Herbst eine „Integrationsoffensive“ angekündigt.

Sogar die Gründung eines eigenen digitalen Spartensenders für Zuwanderer wird geprüft. Denkbar wäre ein deutsch-türkischer Kulturkanal nach dem Vorbild des deutsch-französischen Senders ARTE.
Ausländer sind auch heute schon präsent im deutschen Fernsehen, als Moderatoren, Autoren, Reporter oder Darsteller. Im Privatfernsehen etwa konnten der Komiker Kaya Yanar mit der Ethno-Comedy „Was guckst du?!“ (Sat.1) oder Eralp Uzun als Hauptdarsteller in der RTL-Sitcom „Alle lieben Jimmy“ brillieren. Und vor allem in den Informationssendungen und in Dokumentationen
der Öffentlich-Rechtlichen hat das Thema Migration einen festen Sendeplatz.

„Radio multikulti“ (RBB) und „Funkhaus Europa“ (WDR) senden bereits seit einem guten Jahrzehnt Hörfunkprogramme für ausländische Mitbürger in verschiedenen Sprachen. Der Erfolg ihrer Programme basiert auf den maßgeschneiderten, regionalisierten Angeboten für Angehörige verschiedener Nationalitäten. Aber Fachleute sehen die deutschen Medien weit entfernt von
einer angemessenen Repräsentanz der Migranten. Kritiker fordern deshalb mehr „fremde“ Gesichter im deutschen Fernsehen, und zwar nicht nur „als plakative Ausländer, sondern als normale Mitbürger“. Die Programme müssten mehr über Lebensweise und Alltagsrealität von Einwanderern berichten, auch über gesellschaftliche Erfolge von Zuwanderern.


Auf den diesjährigen Tutzinger Medientagen wollen wir folgenden Fragen nachgehen: Wie wird das Thema „Migration und Integration“ in den Fernsehprogrammen behandelt, und zwar in allen Sendeformaten? Wie kann man kulturelle Vielfalt im Programm berücksichtigen und das Thema Integration in die Programmplanung einbinden? Wie kann das Fernsehen zum Dialog der Kulturen beitragen? Bietet es insbesondere jungen Menschen der zweiten und dritten Einwanderergeneration ausreichend Möglichkeiten, an sozialen Zusammenhängen, Lebensstilen und gesellschaftlichen Ereignissen in Deutschland teilzuhaben?
Hat etwa ein eigener „Integrationskanal“ Erfolgsaussichten?


Dateien: 2007_Tutzinger_Medientage.pdf