18.04.2009 11:58 Alter: 1 Jahre

Wirtschaftskrise beflügelt Rückkehr ausländischer Saisonkräfte

Kategorie: Politik, Soziales

VON: MS

Mit der kürzlich eröffneten Spargelsaison sind tausende polnische und osteuropäische Erntehelfer/innen auf Deutschlands Felder zurückgekehrt. Erstmals seit Jahren hat dabei die Nachfrage das Angebot an Arbeitsplätzen wieder überstiegen.

In den vergangenen Jahren hatte das Interesse vor allem der polnischen Saisonkräfte, die einen Großteil der Erntehelfer/innen stellen, stark nachgelassen. Nach dem EU-Beitritt fanden viele Arbeitsuchende in anderen westeuropäischen Ländern - vor allem in Großbritannien und Irland - attraktivere Arbeitsangebote vor. Grund waren ein schlechter Wechselkurs des Zloty zum Euro sowie die höheren Löhne auf den Inseln. Die Zahl der ausländischen Saisonkräfte in Deutschland sank von 324.000 im Jahr 2004 auf 280.000 im vergangenen Jahr. Da die Spargelernte stark auf der Arbeit ausländischer Saisonkräfte basiert, war es in der Folge zu Engpässen gekommen, teilweise mussten Felder still gelegt werden. Nun hat jedoch die Wirtschaftskrise zu einer drastischen Reduzierung von Arbeitsplätzen in Großbritannien und Irland sowie zum Einbruch des britischen Pfunds geführt. Der Euro hingegen ist  stärker geworden und macht so die Arbeit in Deutschland wieder attraktiver.

Gleichzeitig entsteht unter den Saisonarbeiter/innen nun Konkurrenz um die Arbeitsplätze. Denn in den vergangenen Jahren reagierten die deutschen Bauern auf das Wegbleiben der überwiegend polnischen Saisonkräfte mit einem verstärktem Anwerben in anderen osteuropäischen Ländern. Zwar kamen auch 2008 noch immer gut 60 Prozent aus Polen, doch besonders aus Rumänien und Bulgarien war eine große Zunahme zu verzeichnen. Erstmals seit Jahren übersteigt die Nachfrage nach Arbeit nun wieder das Angebot. Allerdings hat die Wirtschaftskrise nicht zu einer gestiegenen Nachfrage deutscher Arbeitsuchender geführt. Spargelstechen ist eine besonders harte körperliche Arbeit. Weiterhin stellen inländische Arbeitskräfte nur etwa 15 Prozent aller Beschäftigten, und auch dies eher in sogenannten "erntenahen Bereichen" wie Verpackung, Sortierung, Fahrtätigkeit und Verkauf und nicht der harten Feldarbeit an sich.

Der tarifliche Lohn für die Erntehelfer/innen liegt zwischen 4,07 Euro pro Stunde in Brandenburg und 5,55 Euro in Hessen. Hinzu kommen Leistungszulagen. Für deutsche Arbeitslose, die sich auf die Saisonarbeit einlassen, gibt es darüber hinaus von der Arbeitsagentur noch eine Saisonaufwandsentschädigung von 18 Euro pro Tag. Ausländische Saisonarbeiter/innen dürfen bis zu sechs Monate auf deutschen Feldern arbeiten. Viele bleiben nach der Spargelernte gleich noch für die Erdbeer-, Apfel- und Rübenernte. Auch in diesen Bereichen erwartet der Deutsche Bauernverband in diesem Jahr keinen Mangel an Saisonkräften.