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Jugendliche mit migrantischem Hintergrund werden auf dem Lehrstellenmarkt diskriminiert.
Kategorie: Politik, SozialesVON: MP
„Der Aufschwung auf dem Ausbildungsmarkt schreitet weiter voran“, heißt es auf der Internetseite des Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). An Jugendlichen mit migrantischem Hintergrund wird der Aufschwung wohl spurlos vorbeigehen, betrachtet man die jüngsten Studien zum Ausbildungsmarkt.
Einer neuen Studie des BIBB zufolge, die Befragungen von 2004 bis 2006 auswertet, ist der Anteil von Jugendlichen mit migrantischem Hintergrund im dualen Ausbildungssystem deutlich gesunken und lag 2005 lediglich bei 24 Prozent gegenüber 34 Prozent im Jahr 1994. Einheimische Jugendliche sind davon deutlich weniger betroffen; mit 58 Prozent war ihre Chance, einen Ausbildungsplatz zu finden, doppelt so hoch wie für Jugendliche aus Einwandererfamilien. Am niedrigsten ist ihr Anteil in den Berufen des öffentlichen Dienstes. Gerade einmal 2,1 Prozent aller Auszubildenden haben in diesem Sektor eine nicht-deutsche Staatsbürgerschaft.
Die BA-BIBB Bewerber-Untersuchung von 2004 zeigt: Nur 29 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die in den vorangegangenen 15 Monaten auf Lehrstellensuche waren, hatten Erfolg. Bei den einheimischen Jugendlichen konnten im gleichen Zeitraum immerhin 40 Prozent eine Berufsausbildung aufnehmen. Mit der Folge, dass jede/r vierte Bewerber/in in "Übergangsprogrammen" landet, die nicht zu einem Berufsabschluss führen; jeder fünfte ist arbeitslos oder jobbt. Besonders benachteiligt sind Jugendliche mit türkischen und arabischen Eltern.
Gute Schulabschlüsse verbessern zwar die Ausbildungschancen, aber auch hier wirkt sich die gute Leistung bei BewerberInnen mit nicht-deutschem Pass in sehr viel geringerem Maße aus als bei der einheimischen Vergleichsgruppe.
25 Prozent der migrantischen Jugendlichen mit Hauptschulabschluss finden einen Ausbildungsplatz, demgegenüber haben einheimische SchulabgängerInnen mit 29 Prozent deutlich bessere Chancen.
Die Annahme, höhere Bildungsabschlüsse würden diese Unterschiede aufweichen trifft nicht zu. Im Gegenteil: Nur 34 Prozent der RealschulabgängerInnen aus Migranten-Familien finden einen Ausbildungsplatz, bei der deutschen Vergleichsgruppe sind es 47 Prozent. Bei AbiturientInnen liegt die Erfolgsquote mit 44 Prozent deutlich unter der von Jugendlichen mit deutscher Staatsbürgerschaft mit 53 Prozent. Selbst von einer guten Mathematiknote profitieren bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz vor allem einheimische Jugendliche.
Unterschiedliche Studien belegen, dass die Chancenungleichheit zwischen Jugendlichen mit und Jugendliche ohne Migrationshintergrund selbst bei gleichen Leistungen bestehen bleiben.
Die Ursachen für diese Diskriminierung am Ausbildungsmarkt seien nicht abschließend zu beantworten, heißt es in der BIBB-Expertise. Dass Vorurteile von Personalverantwortlichen, die an den Schaltstellen sitzen, eine Rolle spielen, bestätigen jedoch auch andere Studien. So haben die BildungsforscherInnen in einer vom Bundesbildungsministerium geförderten Initiative "Erfahrungen in den Beruflichen Qualifizierungsnetzwerken zur Förderung der Chancengleichheit von Jugendlichen mit Migrationshintergrund" festgestellt, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund ungeachtet ihrer Qualifikation oft vorzeitig bei der Bewerberauswahl aussortiert werden.
Die Handlungsempfehlungen der WissenschaftlerInnen beinhalten daher auch die Forderung nach Sensibilisierung von Entscheidungsträgern für ethnisch und kulturell neutrale Auswahlverfahren an zentraler Stelle.
Als weitere Maßnahmen schlagen die ForscherInnen die überfällige Anerkennung von Schul- und Berufsbildungsabschlüssen, Maßnahmen wie frühzeitige Förderung von Bewerbungstrainings und Praktika vor. Eine weitere Chance sehen sie in der konsequenten beruflichen Nachqualifizierung. Auch sollten die interkulturellen Kompetenzen der jungen Fachkräfte, von denen Betriebe profitieren, stärker wahrgenommen werden.
Quelle: Integration und berufliche Ausbildung, Expertise des Bundesinstituts für Berufsbildung
Bundesinstituts für Berufsbildung

