16.02.2009 09:32 Alter: 2 Jahre

MedienmacherInnen mit Migrationshintergrund fordern mehr Vielfalt

Kategorie: Kultur, Politik, Soziales

VON: MP

In der Initiative "Neue deutsche Medienmacher" haben sich erstmals bundesweit JournalistInnen mit Migrationshintergrund zusammengeschlossen, um die Vielfalt der Einwanderungsgesellschaft in der Berichterstattung besser wiederzugeben - auch in den Redaktionsräumen. Denn obwohl jeder fünfte Einwohner im Land einen sogenannten Migrationshintergrund hat, gilt das nur für jeden 50. Journalist.

Die meisten können wie der Journalist Kemal Kür ein Lied davon singen, wie sie immer wieder als Experte für Migrationsthemen oder als ‚Türke vom Dienst’ behandelt werden. "Nie wurde ich gefragt, ob ich des Türkischen überhaupt mächtig bin oder welche anderen Themengebiete ich bearbeiten will", sagt der Journalist, der Mitglied ist in der neu gegründeten Initiative.

„In deutschen Redaktionen herrscht eine Monokultur“, sagt Marjan Parvand, Redakteurin bei der ARD-Tagesschau, „als Initiative von unten wollen wir das ändern“. Journalisten nichtdeutscher Herkunft in den Redaktionen – das müsse endlich eine Selbstverständlichkeit und Normalität werden.  

Gegründet wurde der Verein vor einem Monat von Marjan Parvand. Zunächst gab es nur fünf Mitglieder, aber es werden immer mehr: "Gut 200 Menschen haben Interesse an einer Mitgliedschaft geäußert", sagt Parvand, die im Iran aufgewachsen ist und sich "über die klischeebeladene Berichterstattung" ärgert: "Warum muss ich beim Thema Migration immer die türkische Frau mit Kopftuch und Einkaufstüten auf Bildern sehen?", fragt die 38-jährige "Tagesschau"-Redakteurin. Es gebe ja auch iranische Ärzte und türkische Ingenieure, die kämen aber kaum in den Medien vor. Die  Initiative will eine solche einseitige Darstellung von Zuwanderern in
den Medien nicht länger hinnehmbar.

Als weitere Aufgabe hat sich der Verein die Nachwuchsförderung auf die Fahnen geschrieben. Medienberufe sind in Familien mit Zuwanderungsgeschichte wenig anerkannt. Der Medienwissenschaftler Ulrich Pätzold vermutet, es könne mit der negativen Berichterstattung über Migranten zusammenhängen. Hinzu komme das weit verbreitete Klischee, Menschen aus Einwandererfamilien seien dem Journalismus aufgrund mangelnder Sprachkompetenz nicht gewachsen. Dabei brächten gerade diese Journalisten Potenzial mit: "Sie haben einen anderen Blick. Den brauchen wir, um unsere eigene Perspektive zu erweitern", so Pätzold.

Die Forderung nach mehr Vielfalt in den Medien ist nicht neu. Maria Böhmer, Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, plädierte 2007 dafür mehr MigrantInnen in die Redaktionen und vor die Mikros holen und lud mehr als fünfzig MedienmacherInnen ins Kanzleramt ein. Aber nur die die öffentlichen-rechtlichen Anstalten reagierten. Zwei Jahre später ist das Ziel, die Vielfalt auch in den Medien zu repräsentieren, aber noch lange nicht erreicht. Gerade junge JournalistInnen  nicht-deutscher Herkunft landen häufig in kleineren Nischenformaten. "Wir haben zwar inzwischen einen türkischen "Tatort"-Kommisar, das ist gut, reicht aber noch nicht", sagt Rana Göroglu.


Weitere Infos unter www.neue-medienmacher.de

Email: medienmacher[at]t-online.de