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Vielfalt sichern - Bericht zur Mehrsprachigkeit
Kategorie: Kultur, Politik, SozialesVON: MP
Am 31. Januar 2008 hat EU-Sprachenkommissar Leonard Orban den Bericht einer Expertengruppe zu Mehrsprachigkeit vorgestellt. Im Zusammenhang mit dem Europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs (2008) macht die Gruppe unter dem Vorsitz von Amin Maalouf Vorschläge dafür, wie die Sprachen den interkulturellen Dialog und das gegenseitige Verständnis fördern können, und stellt so eine klare Verbindung zwischen Sprachenvielfalt und europäischer Integration her.
„Wenn auch die Mehrzahl der europäischen Nationen auf der Basis ihrer identitätsstiftenden Sprachen begründet wurde, so kann sich die Europäische Union nur auf ihre Sprachenvielfalt stützen.“ Die EU hat „die historische Aufgabe, diese Vielfalt zu bewahren, in Einklang zu bringen und sich von ihrer Sprengkraft zu befreien, und wir denken, dass sie sich mit den geeigneten Mitteln ausstatten kann. Wir erachten sie sogar in der Lage, der gesamten Menschheit als Modell für eine Identität zu stehen, die sich auf Vielfalt gründet.“
Dies ist eine der zentralen Aussagen des Berichts einer Expertengruppe zu Mehrsprachigkeit, den der EU-Sprachenkommissar Leonard Orban am 31. Januar 2008 vorstellte. Zehn Intellektuelle aus dem Kulturbetrieb, u.a. der Schriftsteller Amin Maalouf, Jutta Limbach, Tahar Ben Jelloun haben sich mehrmals getroffen und diskutiert, wie die Mehrsprachigkeit auf die europäische Integration und den interkulturellen Dialog Einfluss nehmen könnte. Der vorliegende 35-seitige Text, der von Amin Maalouf verfasst wurde, gibt die Gedanken dieser Diskussionen wieder.
Der Text ist auch eine Absage an die regelmäßig erhobene technokratisch motivierte Forderung, sich in der Kommunikation miteinander auf eine Sprache - konkret Englisch - zu verständigen.
Ein Weg, sprachliche Vielfalt zu erhalten, ist der Erwerb einer „zweiten Muttersprache“ oder „persönlichen Adoptivsprache“. Diese Adoptivsprache sollte eine Sprache sein, mit der sich die Betroffnen aus persönlichen oder beruflichen Gründen identifizieren. Diese Sprache kann im Laufe des Lebens wechseln. Wer zum Beispiel im Rentenalter ist, kann eine neue Sprache adoptieren, sie lernen und die dahinter stehende Kultur erfahren. Bei der Adoptivsprache handelt es sich nicht notwendigerweise um eine Sprache, die für die internationale Kommunikation benutzt wird. Aus Sicht der Expertengruppe soll die Adoptivsprache Teil der Schul-, Hochschulbildung und des Berufslebens sein. Das freilich bedeutet, dass das Bildungsangebot ausgeweitet werden müsste.
Die Adoptivsprache von Migrantinnen und Migranten ist in der Regel die Sprache ihrer Wahlheimat. Andersherum sollen Unionsbürgerinnen und –bürger ermutigt werden, eine Sprache von Zuwanderern aus Drittstaaten zu adoptieren. Auch das gehört zur Vielfalt.
Zur Aufrechterhaltung der Sprachenvielfalt – so ein konkreter Vorschlag – sollten die Mitgliedstaaten eine gemeinsame Organisation schaffen, deren Aufgabe es ist, das Wissen über Sprachen und Kulturen der anderen Mitglieder zu verbreiten.
Die Ergebnisse sollen u. a. bei einem informellen Ministertreffen zur Mehrsprachigkeit diskutiert werden.
Bericht "Expertengruppe zu Mehrsprachigkeit – Eine lohende Herausforderung"
Mehr Informationen über die Sprachen in der EU finden Sie auch beim Europa-Sprachenportal

