07.03.2007 11:07 Alter: 2 Jahre

Am 8. März startet das 12. Filmfestival Türkei / Deutschland

Kategorie: Kultur, Kultur - Nürnberg, Veranstaltungen - Nürnberg

VON: N.W.

Längst genießt das Nürnberger „Filmfestival Türkei / Deutschland“ überregionales und internationales Ansehen. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass die 12. Ausgabe des Festivals mit sieben Welturaufführungen, acht internationalen Premieren und neun Deutschlandpremieren einen neuen Rekord aufstellt. Passend zum Internationalen Frauentag startet das Festival am 8. März in der Tafelhalle im Anschluss an die offizielle Auftaktveranstaltung (18 Uhr) mit der deutsch-schweizerisch-bosnischen Produktion „Das Fräulein“ von Andrea Staka (Filmstart 19.45 Uhr).
Die in der Schweiz geborene Regisseurin bosnisch-kroatischer Abstammung erzählt in ihrem Film einfühlsam die Geschichte von drei Frauen aus Ex-Jugoslawien, deren Schicksale sich in Zürich kreuzen. Die Hauptdarstellerinnen Mirjana Karanovic und Ljubica Jovic werden bei der Eröffnung persönlich anwesend sein.
Das erste Festival-Wochenende ist dann dem Programmbereich „Filmlandschaften Deutschland/Türkei“ gewidmet, der ergänzend zu den Wettbewerbsfilmen mit zahlreichen Kurz-, Dokumentar- und Spielfilmen zeigt, wie die Filmkunst in beiden Ländern in Bewegung geraten ist. Auf dem Programm stehen dabei unter anderem die neuen Filme bekannter Regisseure wie Ugur Yücel oder Erden Kiral, aber auch „Unter der Sonne“ des Erlanger Regisseurs Baran bo Odar.
Im Programmteil „Filmlandschaften ohne Grenzen“ sind mit „Loufa Kai Parallaghi, Sirines Sito Aegeo - Sirenen in der Ägäis” von Nikos Perakis und „Nyfes – Die Bräute“ von Pantelis Voulgaris zwei Produktionen aus Griechenland vertreten, die türkisch-griechische Geschichten erzählen.
Eine umfangreiche Hommage ist dem verstorbenen Altmeister des türkischen Kinos Atif Yilmaz gewidmet. Zu sehen sind acht Filme, die nicht nur zu den Klassikern des türkischen Kinos gehören, sondern wie „Alageyik – Rothirsch“ (1959) mit Yilmaz Güney in der Hauptrolle auch einzigartige filmhistorische Dokumente sind.
Herzstück des Festivals sind wieder die Wettbewerbe in den Bereichen Kurz-, Dokumentar- und Spielfilm: Aus 172 Einsendungen aus sieben Ländern wurden 34 Filme nominiert. In der Kategorie „Spielfilm“ konkurrieren 12 aktuelle Filme aus deutscher und türkischer Produktion. Aus der Türkei sind am Start „Eve Dönüs“ (Heimkehr) von Ömer Ugur, „Çinliler Geliyor“ (Die Chinesen kommen) von Zeki Ökten, „Beyza’nin Kadinlari“ (Beyzas Frauen) von Mustafa Altioklar, „Kader“ (Schicksal) von Zeki Demirkubuz, „Iklimler“ (Jahreszeiten) von Nuri Bilge Ceylan, „Bes Vakit“(Zeiten und Winde) von Reha Erdem sowie „Takva“ von Özer Kiziltan. Auf deutscher Seite wurden „Gefangene“ von Iain Dilthey, „Der Mann von der Botschaft“ von Dito Tsintsadze, „Maria am Wasser“ von Thomas Wendrich, „Prinzessin“ von Birgit Grosskopf sowie „Die Österreichische Methode“ in gemeinsamer Regie von Florian Mischa Böder, Peter Bösenberg, Erica von Moeller, Gerrit Lucas und Alexander Tavakoli nominiert. Die Sieger werden bei der feierlichen Preisverleihung am Samstag, 17. März, 21 Uhr, im K4-Festsaal bekanntgegeben.
Neben einem großartigen Filmprogramm braucht ein Festival auch illustre Gäste. Auch hier ist die Zahl der Kinokünstler, die ihr Kommen zugesagt haben, rekordverdächtig: Fast alle Wettbewerbsfilme werden von ihren Regisseuren und/oder Hauptdarstellern begleitet. Mit Mario Adorf ist es dem Festival darüber hinaus gelungen, eine wahre Kino-Legende als Gast zu gewinnen.
Mit dem „Bild der Türken in Film und Fernsehen“ beschäftigt sich eine Talk-Runde am 17. März, 15 Uhr, im K4-Festsaal. Unter der Leitung von FIPRESCI-Generalsekretär Klaus Eder diskutieren die Regisseure Züli Aladag und Tevfik Baser, die Schauspielerin Ayten Uncuoglu und der WDR-Integrationsbeauftragte Dr. Gualtiero Zambonini.
Die Festival-Lounge im K 4 lädt zum zwanglosen Treffen vor und nach den Vorstellungen ein. In den Abendstunden schaffen verschiedene Jazzformationen um den Pianisten Johannes Reis mit Live-Musik eine ganz besondere Atmosphäre.
Das Rahmenprogramm des Festivals schlägt Beziehungs-Bögen vom Kino in andere Sparten: Am 11. März, 20 Uhr, sorgt die aus Fatih Akins „Gegen die Wand“ bekannte Roma-Band „Fanfare Ciocarlia“ für ausgelassene Stimmung in der Tafelhalle, während das Theatergastspiel „Schwarze Jungfrauen“ des Berliner Hebbel am Ufer zum Festivalabschluss am 18. März, 20 Uhr, in der Tafelhalle reichlich Diskussionsstoff bietet. „Schwarze Jungfrauen“ ist die erste Theaterarbeit des beim Filmfestival Türkei/Deutschland 2004 für seinen Film „Urban Guerillas“ ausgezeichneten Berliner Filmregisseurs Neco Celik, basierend auf Monologen, die Feridun Zaimoglu und Günther Senkel aus Interviews mit zehn jungen muslimischen Frauen in Deutschland erstellt haben:
Zehn Monologe über den Dschihad und verbotene Affären, den Traum von der islamistischen Weltrevolution und ein Leben als Hausfrau und Mutter als Erfüllung aller Wünsche: gemeinsam haben sie nur ihre Radikalität. Bei seiner Uraufführung in Berlin 2006 sorgte das Stück für heftige Auseinandersetzungen über die politischen und sexuellen Provokationen der Texte, die unserer Wahrnehmung muslimischer Frauen eine neue, verstörende Facette hinzufügt.
Die in Zusammenarbeit mit den Nürnberger Nachrichten herausgegebenen 32-seitigen Festivalnachrichten sind kostenlos in der Kultur Information und verschiedensten Kultureinrichtungen und Vorverkaufsstellen erhältlich. Kino-Einzeltickets kosten 7 Euro, für Vorstellungen vor 18 Uhr 3,50 Euro. Übertragbare 10-er Karten kosten 56 Euro. Eintrittspreis Fanfare Ciocarlia VVK 18/erm. 12 Euro, AK 21/14 Euro. „Schwarze Jungfrauen“ VVK 15/10 Euro, AK 18/12 Euro. Vorverkauf u.a. in der Kultur Information.
Veranstaltet wird das 12. Filmfestival Türkei / Deutschland wieder von InterForum Kunst & Kultur Nürnberg International e.V. in Kooperation mit dem Amt für Kultur und Freizeit.
Das Festival im Internet: www.fftd.net 
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