20.06.2007 10:19 Alter: 1 Jahre

Migranten und Medien 2007 - Studie von ARD und ZDF

Kategorie: Kultur, Politik, Soziales

VON: MP

Ob MigrantInnen – wie es das Klischee will – hauptsächlich heimatsprachliche Medien nutzen oder auch deutsche Programme einschalten, wurde jetzt in einer von der Hertie-Stiftung unterstützten gemeinsamen Studie von ARD und ZDF „Migranten und Medien 2007“ untersucht.

Für die bislang umfangreichste Studie zur „medialen Integration“ wurden rund 3010 Interviews ausgewertet. Befragt wurden »Personen mit Migrationshintergrund aus den wichtigsten Migrationsgruppen“ über 14. Den größten Anteil in dieser Gruppe stellen mit 26 % die Türken, danach folgen Italiener mit 8 % und Griechen mit 5 % sowie Serben und Montenegriner mit 4 %. Die Studie bildet somit nur 60 Prozent der MigrantInnen ab – der Rest ist jünger. Insgesamt leben in der Bundesrepublik Deutschland allerdings Menschen aus 196 Staaten (Quelle: Statistisches Bundesamt 2007).

Fazit der Studie: MigrantInnen in Deutschland bevorzugen beim Fernsehen die Privatsender. Aber es gibt keine ausgeprägten Parallelgesellschaften. Alle Migrantengruppen werden durch die deutschen Medien erreicht.

Bei genauerem Hinschauen lassen sich dann aber doch deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Einwanderungsgruppen erkennen.
Vorbildlich verhalten sich vor allem Menschen mit osteuropäischem Hintergrund. Die türkische Bevölkerung dagegen bleibt den heimischen Sendern treu: So liegen in der Zuschauergunst die türkischen Programme EuroD, ATV und ShowTV auf den ersten drei Plätzen, gefolgt von deutschen Privatsendern und auf den hinteren Plätzen das Erste und ZDF. Dem soll nun entgegengewirkt werden. ZDF und die türkische Mediengruppe Dogan haben sich zusammengetan und in Zukunft sollen auf EuroD und EuroStar am frühen Abend deutschsprachige Beiträge aus den ZDF- Kindernachrichten "logo!" und dem Magazin "heute in Europa" ausgestrahlt werden.
Dass die Öffentlich-Rechtlichen MigrantInnen insgesamt weniger gut als das deutsche Publikum erreichen wird mit dem geringeren Durchschnittsalter der Migranten erklärt. Mit zunehmendem Alter werden die Öffentlich-Rechtlichen Programme aber häufiger genutzt. Das Durchschnittsalter der ZDF und ARD-ZuschauerInnen liegt bei 62.

Die Studie wurde aber auch von verschiedenen Medien kritisiert, wie zum Beispiel
dem Neuen Deutschland. So könne es nicht sein, dass Schlüsse über das Medienverhalten von Befragten gezogen würden ohne ihre unterschiedliche aufenthaltsrechtliche Situation zu berücksichtigen. In die untersuchte Kategorie „Menschen mit Migrationshintergrund“, fallen 15,3 Mio. Menschen, dies sind rund 19 % der Bevölkerung. Einwanderer ohne deutschen Pass sind hier genauso erfasst wie Eingebürgerte, Spätaussiedler und Migranten der zweiten oder dritten Generation, die über keine eigenen Migrationserfahrungen verfügen. Das Fazit, »alle Migrantengruppen werden von deutschen Medien gut erreicht«, sei so schon von der Anlage der Studie her angreifbar.  Auch sei der für die Mediennutzung nicht unwichtige Aspekt, der sozialen und wirtschaftlichen Stellung der befragten Personen nicht berücksichtigt.

Die Öffentlich-Rechtlichen haben es einfach verschlafen oder besser gesagt, die Realität verkannt. Ein Einwanderungsland ist Deutschland ja nicht erst seit gestern. Dass sich MigrantInnen im deutschen Fernsehen nicht wieder finden – wen wundert das? Erst kamen sie gar nicht vor, dann als Opfer und Klischeeabziehbilder. Zugegeben – inzwischen ist etwas in Bewegung geraten. FilmemacherInnen haben das Bilderrepertoire mit ihren eigenen Bildern erweitert - Filme wie "Wut" von Züli Aladag, "Kleine Freiheit" von Yüksel Yavuz, "Heimkehr" von Damir Lukacevic oder "En Garde" von Ayse Polat sind hier zu nennen. Aber nicht selten flimmern sie zu nachtschlafender Stunde über den Bildschirm. Über 40 Jahre dauerte es, bis gewagt wurde, das Zusammenleben von Deutschen und Türken mit Humor und Ironie anzugehen. Soaps wie „Türkisch für Anfänger“ (ARD) oder „Alle lieben Jimmy“ (RTL) reichen aber nicht aus. Auch wenn die Öffentlich-Rechtlichen jetzt verkünden ab sofort beim Nachwuchs „vor und hinter der Kamera“ aufzustocken und ZDF-Indentant Schächter für seinen Sender die „Mainstream Diversity“ proklamiert – es ist noch ein weiter Weg. Bislang liegt der Gesamtanteil beim ZDF unter zwei Prozent.


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Migranten und Medien 2007 - Ergebnisse einer repräsentativen Studie der ARD/ZDF-Medienkommission