Wohnen und Integration in Nürnberg - Wohnverhalten von Zuwanderern am Beispiel von Türken und Spätaussiedlern
Anstöße 12 - Forum interkultureller Dialog
Mittwoch, 5. Oktober 2005, 19 Uhr - Eintritt frei
Vortrag von Henning Schirner und Simone Zdrojewski
Wie unterscheidet sich das Wohn- und Umzugsverhalten von verschiedenen Zuwanderergruppen? Hat sich dies im Laufe des Integrationsprozesses verändert? Dies wurde im Rahmen des Projektes „Zuwanderer in der Stadt“ am Beispiel von Nürnberger Türkinnen und Türken sowie Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern untersucht.
Henning Schirner ist stv. Leiter des Amtes für Stadtforschung und Statistik der Stadt Nürnberg, Simone Zdrojewski ist Mitarbeiterin des europäischen forums für migrationsstudien (efms) an der Universität Bamberg.
Diskussionsveranstaltung im Bürgerzentrum Villa Leon
Schlachthofstr. / Philipp-Körber-Weg 1, Nürnberg (U-Bahn Rothenburger Straße)
Schirmherrschaft der Veranstaltungsreihe: Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly
Veranstalter: Stadt Nürnberg: Amt für Kultur und Freizeit, Amt für Wohnen und Stadterneuerung, Ausländerbeirat, Bildungszentrum, Pädagogisches Institut; Institut für soziale und kulturelle Arbeit (ISKA), Xenos Nürnberg e.V.
Konzeption der Reihe "Anstöße – Forum interkultureller Dialog": Dr. Uschi Brock, Bernhard Jehle, Torsten Groß, Jürgen Markwirth, Marissa Pablo-Dürr, Friedrich Popp, Reinhard Sellnow
Weitere Informationen
Informationen zu Simone Zdrojewski
Geboren 1976. Diplom-Soziologin, Studium der Soziologie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg mit den Schwerpunkten Methoden der Empirischen Sozialforschung, Statistik und Bevölkerungswissenschaft. Studienaufenthalt in Florenz (Italien). Seit 2005 wissenschaftliche Angestellte am efms. E-Mail: simone.zdrojewski(att)sowi.uni-bamberg.de
Arbeitsschwerpunkte
Simone Zdrojewski ist im Bereich Methoden der Empirischen Sozialforschung, Statistik, Demographie und Evaluation tätig. Methodische Arbeitsschwerpunkte sind Sozialraumanalysen sowie multivariate Querschnitts- und Längsschnittverfahren. Zu den inhaltlichen Schwerpunkten gehören stadtsoziologische Themen, international vergleichende Segregations- und Integrationsforschung sowie Theorien wohlfahrtstaatlicher Integrationsregime.
Publikationen
"Tabellen und Grafiken mit SPSS für Windows gestalten" In: Baur, Fromm (Hrsg.)(2004). Datenanalyse mit SPSS für Fortgeschrittene. Ein Arbeitsbuch, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, Kap. 5: 109-118
"Segregation und Integration. Entwicklungstendenzen der Wohn- und Lebenssituation von Türken und Spätaussiedlern in der Stadt Nürnberg" In: Schader-Stiftung (Hrsg.)(2005). Zuwanderer in der Stadt. Expertisen zum Projekt, Darmstadt: 75-14
Projekt "Zuwanderer in der Stadt
Die Untersuchung, auf der der Vortrag basiert, wurde im Rahmen des Verbundprojektes "Zuwanderer in der Stadt" erstellt. An dem Projekt beteiligt sind die Schader Stiftung, der Deutsche Städtetag, der Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen, das Deutschen Institut für Urbanistik und das Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung.
Thema ist die sozialräumliche Integration von Zuwanderern, also von Ausländern und Aussiedlern, von jenen, die erst seit kurzem oder bereits seit Jahrzehnten in Deutschland leben, von ihren Kindern und Enkeln, von Pendlern zwischen zwei Kulturen und von Menschen, für die Deutschland nur ein Lebens- und Arbeitsort auf Zeit ist. Ziel dieses Projekts ist es, für die Akteure in Kommunalpolitik und -verwaltung sowie in der Wohnungswirtschaft neue und differenzierte Ansätze für die sozialräumliche Integration von Zuwanderern in Deutschland zu entwickeln, umzusetzen und zu erproben. Wissenschaftliche Begleitforschung soll darüber hinaus gute Beispiele ermitteln, die als wegweisend für zukünftige sozialräumliche Integrationsprozesse gelten können.
Nähere Informationen: http://www.zuwanderer-in-der-stadt.de
Publikation: Expertisen zum Projekt "Zuwanderer in der Stadt"
Der Beitrag "Segregation und Integration. Entwicklungstendenzen der Wohn- und Lebenssituation von Türken und Spätaussiedlern in der Stadt Nürnberg" wurde veröffentlicht in: "Zuwanderer in der Stadt – Expertisen zum Projekt", Schader-Stiftung, DST, GdW, DifU, InWIS (Hrsg.), Darmstadt 2005, ISBN 3-932736-15-X (Schutzgebühr 18,00 EUR)
Die Expertisen ergänzen die "Empfehlungen zur stadträumlichen Integrationspolitik" (diese können hier kostenlos als pdf-Datei herunter geladen werden) des Expertenforums im Projekt "Zuwanderer in der Stadt". Im Auftrag des Expertenforums entstanden, analysieren sie konkrete Einzelfragen der Integration von Zuwanderern.
Die Expertisen verfolgen zwei Schwerpunkte. Der erste behandelt spezifische Fragen des Integrationsprozesses, wie
- Wie verläuft die intraethnische Segregation unterschiedlicher Zuwanderergruppen, die sich u.a. in der zunehmenden Ausdifferenzierung ihrer Wohnorte ausdrückt?
- Welches sind die objektiven und subjektiven Faktoren der Integration resp. der Ausgrenzung von Zuwanderern im biografischen Verlauf?
Die sozialräumliche Perspektive bildet mit folgenden Fragen den zweiten Schwerpunkt:
- Wie sehen die Praxis der Wohnungsvergabe und Ansätze der Partizipation von Migranten in der Wohnungswirtschaft aus?
- Welche Leistungen erbringt das Quartiersmanagement für die Integration von Migranten?
- Welche Bedeutung haben öffentliche Plätze in benachteiligten Quartieren?
- Wie wirken sich unterschiedliche räumliche Verhältnisse auf den Integrationsverlauf aus?
Analysen zur jüngsten Entwicklung der Integration von Zuwanderern in den Niederlanden und Frankreich schließen diesen Band ab.
Nähere Informationen: http://www.zuwanderer-in-der-stadt.de/803.php
Thema Zuwanderung bei der Schader-Stiftung
http://www.schader-stiftung.de/wohn_wandel/99.php
Die Schader-Stiftung hat neben der Homepage zum Projekt "Zuwanderer in der Stadt" weitere Informationen zur sozialräumlichen Integration von Zuwanderern im Internet veröffentlicht. Zu Themen wie Ohne Fremde keine Stadt, Einwandererökonomie, interkulturelles Wohnen, Bildung und Ausbildung werden Fakten & Analysen, Beispiele aus der städtebaulichen Praxis, von Wohnprojekten und Forschungsvorhaben sowie weiterführende und vertiefende Literaturhinweise und Links geboten.
Darüber hinaus wurden in einem kleineren Forschungsprojekt Maßnahmen, Bedingungen und Projekte zur sozialräumlichen Integration von Zuwanderern in Deutschland recherchiert und veröffentlicht. Der Bericht kann als pdf-Datei heruntergeladen werden. Aus 136 analysierten Projekten wurden anhand von zuvor festgelegten Bewertungskriterien diejenigen ausgewählt, die als gutes Beispiel für die Planung zukünftiger Projekte und Maßnahmen dienen können. Aus diesen best practices wiederum lassen sich unterschiedliche Faktoren ermitteln, die hinderlich oder förderlich für die Integration von Zuwanderern im Sozialraum sein können. Häufig kann aus Negativ-Beispielen mehr gelernt werden als aus positiven Darstellungen. Daher dienen die abschließend aufgezeigten Probleme und Negativ-Beispiele ergänzend der Verbesserung von Planung und Durchführung zukünftiger Projekte zur sozialräumlichen Integration von Zuwanderern.
Wohnwünsche von Migranten
In der Online-Ausgabe der Zeitschrift "Ausländer in Deutschland" vom Dezember 2003 ist eine Zusammenfassung des Expertenworkshops „Wohnbedürfnisse von Migrantinnen und Migranten“ veröffentlicht. Die Veranstaltung fand vor dem Hintergrund statt, dass Bewohner mit Migrationshintergrund inzwischen ein wichtiger Bestandteil der Mieterstruktur vieler Wohnungsunternehmen sind. Erstaunlicher Weise aber deren spezifische Wohnbedürfnisse der Wohnungswirtschaft häufig kaum bekannt sind. In dem Workshop wurden unter anderem die Erfahrungen aus verschiedenen baulichen und integrativen Projekten vorgestellt und diskutiert. Wichtige – eigentlich nicht unbedingt überraschende – Ergebnisse des Workshops:
(Türkischstämmige) MigrantInnen sind keine homogene Zielgruppe, sondern höchst differenziert nach sozio-ökonomischen Bedingungen, Ansprüchen, Religiosität, Altersgruppen und Bildungsstand.
Wohnwünsche von MigrantInnen und "Einheimischen unterscheiden sich nicht grundsätzlich voneinander. Alter oder der Lebensstil einzelner Personengruppen stellen weitaus entscheidendere Kriterien in Bezug auf die Wohnbedürfnisse dar.
Beinahe alle Projekte berichten von dem ausdrücklichen Wunsch der MigrantInnenen mit Deutschen zusammen zu leben. Vermarktungskonzepte der Wohnungsgesellschaften, die in ihrer Kommunikation einen Schwerpunkt auf die Zielgruppe MigrantInnen legten, wurden von diesen selbst abgelehnt, weil eine Gettoisierung befürchtet wurde.
Für Wohnungen, die Migranten ansprechen sollen, gelten daher letztendlich ähnliche Qualitätsmaßstäbe wie für deutsche Haushalte. Dies stellten bereits Häußermann und Siebel fest: „Migranten befinden sich mit ihrer Wohnsituation auf einer niedrigeren Stufe als deutsche Haushalte, aber sie stehen auf derselben Leiter und an deren Ende steht das Eigenheim“ (Häußermann/Siebel 1996).
Literatur:
Grandt, Brigitte / Hanhörster, Heike (2003): Potenziale der Wohneigentumsbildung von Migrantinnen und Migranten in benachteiligten Stadtteilen. Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Dortmund.
Häußermann, Hartmut; Siebel, Walter (1996): Soziologie des Wohnens. Eine Einführung in Wandel und Ausdifferenzierung des Wohnens, Weinheim
Sauer, Martina / Hahn, Dirk (2002): Perspektiven der Integration der türkischstämmigen Migranten in Nordrhein-Westfalen. Zusammenfassung der vierten Mehrthemenbefragung 2002. Zentrum für Türkeistudien an der Universität Essen.
Quelle: "Ausländer in Deutschland", Ausgabe 4-2003, isoplan CONSULT GbR Saarbrücken (Hrsg.)
Die Dokumentation des Workshops ist erhältlich über das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung und Bauwesen des Landes NRW (ILS NRW), Deutsche Straße 5, 44339 Dortmund, www.ils-nrw.de
ZfT: Immer mehr Türken mit Wohneigentum
Essen. Der Direktor der Stiftung Zentrum für Türkeistudien (ZfT), Faruk Sen, hat Mitte Januar 2005 auf die steigende Bedeutung der Wohneigentumsbildung von Türkinnen und Türken in Deutschland hingewiesen: "163.000 türkeistämmige Haushalte haben inzwischen Wohneigentum in Deutschland gebildet." Der Eigentumserwerb beschränke sich nicht allein auf die klassischen Migrantenquartiere in den Städten. Oft leiste die Eigentumsbildung auch einen Beitrag zur räumlichen Dekonzentration. Wo Migranten aber in den innenstadtnahen Altbauquartieren Häuser und Wohnungen kaufen, bedeute dies in der Regel eine Aufwertung der Stadtteile. "Die Wohneigentumsbildung ist hier ein Zeichen der Identifikation mit dem Viertel und ein Zeichen des aktiven Integrationswillens", so Sen weiter. (esf)
Quelle: http://www.isoplan.de/aid/index.htm?http://www.isoplan.de/aid/2005-1/schwerpunkt.htm
